19.02.2018 geschrieben von Victoria Hein in Ratgeber Inspirationen & Produkte Künstler hautnah

Pouring Medium selbst herstellen – Kleber als eine günstige Alternative?

Der Pinsel war gestern – ab jetzt wird gegossen!


Acrylic Pouring erlebt in der Künstlerwelt gerade einen absoluten Hype. Jeder, der gerne mit Acrylfarbe experimentiert, versucht sich gerade an dieser wunderbaren Fließtechnik.

Acrylic Pouring – Was ist das?

Acrylic Pouring ist eine dynamische, expressionistische Form der Acrylmalerei. Es handelt sich um eine spezielle Form des Fluid Paintings. Aufregend und unvorhersehbar. Sie führen zwar Regie – doch bis zuletzt wissen Sie nicht, was Sie am Ende erwartet. Lassen Sie sich vom Fluss der Farbe überraschen.

  • Wählen Sie Ihre Lieblingsfarbe (Acryl) in möglichst kontrastreichen Farbtönen.
  • Mischen Sie jedem Farbton ein Pouring Medium bei.
  • Verdünnen Sie die Acryl-Kleber-Mischung mit etwas Wasser, bis sie perfekt fließt.
  • Fügen sie ein paar Tropfen Silikon oder Silikonöl bei.

Sie haben nun unterschiedliche Möglichkeinen, die Farbe auf die Leinwand zu bringen:


Acrylic Pouring Mit Vinylkleber

  • Puddle Pouring: Gießen Sie die einzelnen Farben nacheinander, übereinander in die Mitte des Untergrundes.
  • Dirty Pouring: Schichten Sie die Farben zunächst in einem Becher und gießen Sie anschließend diese Mischung über den Malgrund.
  • Flip Cup: Schichten Sie zunächst wie im Dirty Pouring und stülpen Sie anschließend den Becher über dem Keilrahmen um.

Jede Vorgehensweise für sich hat ihren Reiz. Probieren Sie es aus. Kombinieren sie die verschiedenen Techniken miteinander. Entdecken Sie Ihre kreative Ader bei jedem Bild aufs neue. Sie werden sehen: Kein Ergebnis gleicht dem anderen.

  • Gießen Sie die flüssigen Farben auf eine Leinwand.
  • Neigen Sie den Untergrund und verteilen Sie den Farbfilm gleichmäßig.
  • Erhitzen sie die Farboberfläche kurz (Heißluftföhn oder Lötlampe).
  • Sehen Sie zu und lassen Sie sich verzaubern. Die Farbe erwacht zum Leben!

Die besondere Mischung aus Acrylfarbe, Gießmedium und Silikon erzeugt atemberaubende Effekte – verstärkt und betont durch die anschließende Hitzebehandlung. Muster, Zellen und Strukturen. Weiche und harte Farbübergänge. Harmonisches Ineinanderlaufen und starke Kontraste. All dies werden Sie in Ihren Bildern wiederfinden. Geprägt und dominiert von wunderschönen Farbzellen – dem Kernelement im Acrylic Pouring.

Das Gießmedium – Entscheidender Bestandteil für ein erfolgreiches Pouring


Um vernünftig gießen zu können, benötigen Sie flüssige Farben. Handelsübliche Acrylfarbe ist jedoch in der Regel eher von cremiger Konsistenz.

Natürlich können Sie einfach zwei Acrylfarben mit etwas Wasser verdünnen und auf einem Keilrahmen ineinander fließen lassen. Doch ohne ein geeignetes Medium werden Sie nie diese einzigartigen Zellstrukturen und Farbgewalten erhalten. Das Gießmedium ist die Geheimwaffe für ein effektreiches Fluid Painting. Anders als Wasser, verbessert es die Fließeingenschaft der Acrylfarbe und bindet zugleich die Pigmente.

Das sogenannte Fluid Medium erlaubt es Ihnen also, nicht nur zwei, sondern beliebig viele Farbtöne ineinander laufen zu lassen. Wo ohne Medium ein uncharmanter Einheitsbrei entstehen würden, bilden sich mit der korrekten Mischung wunderbare Kontraste und Farbeffekte heraus.

Mittlerweile haben namhafte Hersteller von Künstler-Acrylfarbe, dem Trend entsprechend, eigene Pouring Medien auf den Markt gebracht. Und selbstverständlich finden Sie diese auch in unserem Onlineshop:

Der Vorteil dieser speziell für Fluid Painting hergestellten Gießmedien liegt auf der Hand: Dank zuverlässiger Profi-Qualität garantieren sie konstant gute Ergebnisse in einem unschlagbaren Glanz. Diese Markenqualität hat bekanntlich auch ihren Preis.

Gerade für Neulinge auf dem Gebiet des Fluid Paintings sind jedoch die recht hohen Materialkosten eine ernstzunehmende Hemmschwelle für unbedarftes Experimentieren. – Dabei ist hemmungsloses Ausprobieren doch so enorm wichtig!

Hinzu kommt der Suchtfaktor bei jedem, der einmal von diesem kreativen Virus infiziert wurde. Nach einem Bild hören Sie nicht etwa auf. Sie wollen mehr! Fluid Painting ist eine angenehm kurzweilige Kunstform. In kürzester Zeit schaffen Sie gleich eine Vielzahl an Kunstwerken. Einzig beim Trocknen benötigen Sie etwas Geduld. Für den ambitionierten Vielverbraucher kann das ganzschön ins Geld gehen.

Kleber Als Guenstige Alternative Pouring Medium Selber Machen

Kosten Sparen – Alternativen zum professionellen Pouring Medium


Was also tun, wenn Sie das Fluid Painting erst einmal ausprobieren möchten? Wie können Sie möglichst viele gießen, ohne Ihren Geldbeutel überzustrapazieren? So mancher Pouring-Begeisterte hat sich bereits gefragt: „Kann ich das Pouring Medium selber machen?“ oder „Gibt es eine günstige Alternative zum professionellen Gießmedium?“

Die Gute Nachricht: Ja! „Flüssigkleber“ heißt das Zauberwort und ist der Geheimtipp unter Fluid Paintern.

Artist Junior – flüssiger Kleber im Test

Timo Scheierlein, Künstler von Hellsing Paint Art Design und mittlerweile ein Profi im Fluid Paintig, macht für Gerstaecker den Test. Er hat bereits zahlreiche Bilder gegossen, viel probiert und experimentiert und weiß genau, worauf es bei dieser Technik ankommt. Mit seiner großen Erfahrung nimmt er nun die beiden Kleber von Artist Junior genau unter die Lupe:

  • Welchen Einfluss haben die Kleber als Medium jeweils auf die Fließeigenschaften der Acrylfarben?
  • In welchem Mischverhältnis sind die Kleber als Medium anzuwenden?
  • Wie trocknet die Oberfläche der Bilder auf?
  • Welche Schwierigkeiten ergeben sich ggf. bei der Anwendung der Kleber? Und wie geht man damit um?

2 wesentliche Vorteile des Klebers gegenüber einem herkömmlichen Fluid Medium kann er direkt zu Anfang benennen:

  • Für den Geldbeutel: Die Kleber sind besonders günstig in der Anschaffung.
  • Für die Gesundheit: Beide Kleber sind lösungsmittelfrei!

Die perfekte Mischunng

Timo Scheierlein setzt auf ein Mischverhältnis mit mindestens 60% Kleber und pflegt einen sehr sparsamen Umgang mit Farbe.

Einfaches Arbeiten Mit Dem Artist Junior Vinylkleber Von Gerstaecker

So sparen sie weitere Kosten und erzielen dennoch ein farbintensives Ergebnis. Zunächst füllen Sie den Kleber in die Becher. Anschließend geben sie etwas Farbe hinzu und verrühren beides zu einer homogenen Mischung.

Vorsicht mit dem Wasser: Geben Sie nun Ihrer Mischung nach und nach kleine Mengen Wasser bei und überprüfen Sie regelmäßig die Fließfähigkeit. Je wärmer der Kleber ist, desto weniger Wasser benötigen sie. Grundsätzlich benötigen Sie nicht viel Wasser. Seien Sie sparsam. Ist der Kleber zu stark verdünnt, verläuft er auf der Leinwand zu schnell und es können keine Muster entstehen.

Ein Bild lebt von Kontrasten

Mixen Sie verschiedene helle Farbtöne mit einigen dunklen. Achten Sie zusätzlich darauf, das die Farben unterschiedliche Deckkraft besitzen. Den Farben geben Sie jeweils einige wenige Tropfen Silikon bei. Verzichten Sie hingegen bei Schwarz und Weiß auf Silikon. So erhalten Sie sowohl farblich, als auch in der Zellstruktur wunderbare Kontraste.

Arbeiten mit Artist Junior Kleber als Fluid Medium – Experten-Tipps


Die Vorbehandlung

Timo Scheierlein streicht die Ränder der Keilrahmen vor Beginn seiner Arbeit mit der Mischung aus Kleber und weißer Farbe an. Damit fließt die Farbe gut über die Kanten, ohne dass sich Silikonlöcher bilden. Bersonders bei Keilrahmen mit einer großet Tiefe ist dieser Arbeitsschritt zu empfehlen.

Bläschenbildung

Verrühren Sie Kleber und Farbe langsam aber gründlich miteinander. Je ruhiger und gleichmäßiger Ihre Bewegung, desto weniger Luft heben Sie unter. Sollten sich dennoch hartnäckige Luftblasen halten, so hilft der Heißluftföhn. Gießen Sie die Farbe wie gewohnt auf die Leinwand. Föhnen Sie nur kurz über die betroffenen Stellen und alle Bläschen verschwinden.

Risse in der Oberfläche

Auf die Schichtdicke und die Trocknungszeit kommt es an! Verteilen Sie die Farbe gründlich auf Ihrer Leinwand. In dünnen Farbschichten entstehen im Verlauf der Trocknung viel seltener Haarrisse. Lassen Sie Ihr Bild langsam trocknen. Legen Sie es nicht auf die Heizung oder in die Sonne. Ein zu schnelles Trocknen fördert die Rissbildung. Achten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit während der Trocknungsphase. Trockene Luft führt zu Rissen in der Bildoberfläche.

Viele schöne Zellen

Vermischen sie zunächst den Kleber mit den einzelnen Farben. Geben Sie anschließend ca. 3 Tropfen Silikonspray in jedes einzelne Gemisch. Das Silikon verstärkt die natürliche Zellbildung der Farbe. Nur Schwarz und Weiß gibt Timo Scheierlein kein Silikon bei, um noch mehr Kontraste in seine Bilder zu bringen. Sobald Sie den Farbfilm auf den Keilrahmen gegossen haben, kommt der Heißluftföhn zum Einsatz. Mit kurzer, punktueller Hitze unterstützen Sie die Zellbildung und arbeiten wunderbare Zellstrukturen heraus.

Matt oder Glanz?

Beide Kleber trocknen zunächst matt auf. Sie möchten Ihrem Bild den starken Glanz zurückgeben, den es im nassen Zustand hatte? Kein Problem! Bearbeiten Sie ihr fertiges Kunstwerk gleich nach dem Trocknen einfach mit einem Glanzfirnis. Alternativ bietet sich auch ein Seidenmatt-Firnis zur Schlussbehandlung an. Je nachdem, welches Aussehen Ihnen besser gefällt. Der glänzende, matte oder seidenmatte Firnis versiegelt das Bild und schützt es langfristig vor Umwelteinflüssen. Die Oberfläche bleibt glatt, flexibel und wasserfest.

Wärme statt Wasser – so erhalten Sie die perfekte Konsistenz

Der blaue Naturkleber unterscheidet sich in der Handhabung etwas von der Arbeit mit klassischen Gießmedien. Letztere sind in der Konsistenz deutlich dünner. Lassen Sie sich im Umgang mit dem dickflüssigen Naturkleber nicht täuschen. Hier gilt Vorsicht beim Verdünnen: Arbeiten Sie mit wenig Wasser und verflüssigen Sie die Mischung nicht. Der scheinbar zähflüssige Kleber läuft auf der Leinwand gut.

Timo Scheierlein zeigt: Letztlich benötigen Sie kein Wasser, um die perfekte Fließkonsisten zu erreichen. Vielmehr spielt die Temperatur des Naturklebers eine entscheidende Rolle. Erwärmen Sie den Kleber vor der Anwendung auf mindestens 20°C.

Welchen Einfluss hat das Blau?

Keinen! Der blaue Naturkleber trocknet transparent auf. Der Blauschimmer verschwindet völlig. Die Intensität und Leuchtkraft der Acrylfarben bleibt erhalten.

Artist Junior Naturkleber Von Gerstaecker Wie Man Damit Arbeitet

Dickflüssiger Kleber vermischt sich langsamer

Die recht dicke Konsistens des Klebers beeinflusst die Vermischbarkeit. Der blaue Naturkleber verhält sich anders, als flüssige Gießmedien.

Besonderheit beim Anrühren: Lassen Sie die Becher nach dem Anrühren 15 bis 30 Minuten ruhen. Es dauert etwas, bis sich das Wasser vollständig mit dem Kleber vermischt.

Besonderheit beim Gießen: Der Kleber verhindert, dass die einzelnen Farbschichten schon im Becher miteinander gemischt werden. Hier müssen Sie durch Umrühren nachhelfen, sollten Sie eine Vermischung wünschen. Timo Scheierlein nutzt diese Eigenschaft jedoch bewusst. Gerade durch die geringe Vermischung erzielt er wunderbare und einzigartige Ergebnisse, die er mit flüssigen Medien nicht erhalten würde.

Achtung! Der Naturkleber arbeitet nach

Jedes Pouring Bild entwickelt sich im Verlauf der Trocknung noch etwas weiter. Doch der Naturkleber arbeitet im Vergleich zu anderen Medien deutlich länger nach. Daher gilt hier: Weniger ist zunächst mehr.

  • Seien Sie sparsam mit Silikon und Hitze – die Zellbildung tritt etwas zeitverzögert ein.
  • Tragen Sie eine möglichst dünne Farbschicht auf – in dicken Schichten verlaufen die Muster später.
  • Üben Sie sich in Geduld – lagern sie das Bild in der Waage, bis es wirklich vollständig trocken ist.

Hellsing Paint Art Design Timo Scheierlein

Informationen zum Künstler Timo Scheierlein


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